Mal ehrlich!

Ich gehe die Lederstraße entlang. Ich sehe schon wie ein Mann mit einem Zettel in der Hand mich mit seinem Blick fixiert. Ich denke, nein da hab ich jetzt einfach keine Lust drauf. Ja, ich bin auch für Tierschutz, aber ich möchte jetzt gerade nicht dafür spenden und kein Mitglied werden. Dennoch kommt er auf mich zu und fragt: „Haben Sie einen kurzen Moment Zeit?“. Ich lächle gequält freundlich, schüttle den Kopf und gehe rasch weiter. Nicht bösartig von mir, aber gelogen. So ne Antwort (auch wenn ich ja nicht mal den Mund aufgemacht habe, weil ich ja eigentlich ganz ganz schlecht im Lügen bin) ist einfacher und ich muss mich nicht mit meinem Gegenüber auseinandersetzen. Ist auch für die meisten Leute normal und in Ordnung bei so was nicht ganz  bei der Wahrheit zu bleiben.

Doch falls so was okay sein sollte, wo ist dann die Grenze? Und wieviel Wahrheit willst du, dass man dir entgegenbringt? 

Oder wie ist es, wenn es um Reflektion in der Jugendarbeit geht?  Mal ehrlich, wollen wir da immer ehrlich sein? Dadurch kann auch Streit entstehen oder was zum Wackeln kommen. Oder wenn ich auf etwas, wo ich gefragt bin, gar nicht reagiere. Das ist dann vielleicht nicht direkt Lügen, aber für den anderen vermutlich auch wenig hilfreich.

Zeitlebens und überall müssen wir uns mit Ehrlichkeit und Wahrheit auseinandersetzen: von jung bis alt – vom Selbstbild bis zu gesellschaftlichen Themen.

„Mal ehrlich – 7 Wochen ohne Lügen“ ist der Titel der EKD Fastenaktion. Noch sind es ein paar Wochen bis Ostern. Vielleicht hast Du ja auch noch Lust auf Wahrheitssuche zu gehen und dich von vielfältigen Texten inspirieren zu lassen (7wochenohne.evangelisch.de).

Am Ende der Fastenzeit  erwartet uns Ostern und da feiern wir dann die große christliche Wahrheit, dass Gottes Liebe über den Tod hinausgeht.  Eine Wahrheit die steht – auch wenn ich zweifle. 

Tine Braun

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