Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt. (Ernst Ferstl)

Einer der Gründe, warum ich meinen Beruf für den besten Job der Welt halte, ist, dass ich morgens nicht so früh raus muss. Wenn Lehrer und Schüler morgens an der Schule eintrudeln, dreh ich mich nicht selten nochmal im Bett um. Mit Genuss. 

Dieses Jahr hatte ich dann eine dumme Idee. Ausschlafen fasten. Jeden Morgen um sechs aufstehen. Jeden. Morgen. Ja, auch am Wochenende. Seit vier Wochen klingelt nun also jeden Morgen um 6.00Uhr der Wecker. Und jeden Morgen um 6.00Uhr finde ich das eine richtig dumme Idee. Und jeden Morgen um 6.30Uhr finde ich das das eine der besten Ideen die ich je hatte.

Weil sie meinen Tagesrhythmus auf den Kopf stellt und mir Freiräume schafft für gute Sachen. Ich gehe, wenn möglich, früher ins Bett als sonst. Was ich abends verpasse, unter der Woche, sind täglich 1-2 Stunden Fernsehen, Lesen oder Handyspielchen spielen.

Was ich morgens gewinne sind täglich 1-2 Stunden Tee trinken, Bibel lesen, nachdenken, Briefe schreiben, Spülmaschine ausräumen oder Wäsche machen (wobei es sich allein dafür natürlich nicht lohnen würde…) - und ja, auch mal lesen oder mehr oder weniger wertvolle Videos bei facebook anschauen.

Ich hab in den letzten Jahren viel herum experimentiert in der Fastenzeit: Auf Süßigkeiten, TV, Kaffee, facebook, Handy, bestimmte Mahlzeiten, Geiz und anderes verzichtet. Das war alles ganz nett, und mal mehr und mal weniger herausfordernd. Aber dieses Jahr merke ich zum ersten Mal so richtig, dass es mir was bringt. Frei-Zeit nämlich. Und die tut mir gut, und meiner Beziehung zu Gott auch. Weil ich zwar nicht jeden Morgen einen Brief schreibe oder die Spülmaschine ausräume, aber jeden Morgen Bibel lese und mit Gott in den Tag starte.

„Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit.“, so steht es in Prediger 3 (ELB).

Ich habe das Gefühl, ich habe diese „bestimmte Stunde“ zu oft sinnlos vertrödelt oder verpennt. Und möchte das in Zukunft, auch nach der Fastenzeit, gern vermeiden.

Jetzt ist die Fastenzeit halb rum, und ich möchte dich auch nicht unbedingt dazu motivieren, dir nächstes Jahr den Wecker 1,5 Stunden früher zu stellen. Sondern dich ermutigen: Nimm deinen Alltag mal unter die Lupe. Nimm dir Zeit. Schaff dir Freiräume, Frei-Zeit, und nutze sie. Im Alltag. Für deine Beziehung zu Gott, um Freundschaften zu pflegen, um Dinge aus der Welt zu schaffen, um Blumen zu pflücken oder um die Oma anzurufen. Was halt bei dir so liegen bleibt.

Alles Gute für die gewonnene Zeit!

Elina

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