...angedacht
...einfach mal so die Gedanken laufen lassen … ohne Anspruch auf Vollständigkeit … schauen was dabei raus kommt … ohne gleich das Ziel im Blick zu haben … den Perfektionismus mal hinten anstellen … auch auf die Gefahr hin,
dass Widerspruch kommen könnte …
Wie oft tun wir das – etwas einfach nur andenken? Ist das überhaupt zeitgemäß und gesellschaftsfähig? Sind wir nicht oft schon so getrimmt, dass alles nach was aussehen und irgendwie niet- und nagelfest sein muss, bevor es in die Öffentlichkeit kommt?
Schade eigentlich, denn beim Schreiben dieser Zeilen fällt mir auf, dass ich mir dadurch immer wieder die Chance nehme mit Anderen wirklich ins Gespräch zu kommen. Ich habe mir sauber überlegt, was ich wie formulieren muss, damit möglichst wenig Widerspruch kommt. Und sollte es doch mal jemand wagen, zu widersprechen, dann habe ich mir vielleicht sogar schon zurecht gelegt, wie ich darauf reagieren kann – oder zumindest finde ich schnell ein Argument, das meine These untermauert. Ich habe mir meine Meinung gebildet und bin oft auch nicht mehr bereit zu hören, was jemand anderes dazu sagt. Ich meine ich hätte fertiggedacht – zumindest mal das ein oder andere Thema.
Ist das tatsächlich die Art wie ich leben möchte? Ist das die Form wie ich mir Gemeinschaft vorstelle? Christliche Gemeinschaft? Einer meiner Dozenten sagte mal: „In der Bibel liegt nicht die Einheit, sondern die Vielfalt der Kirche verborgen.“
Immer wieder finde ich Bibelstellen, die auf den ersten Blick anderen Bibelstellen und/oder auch meiner persönlichen Glaubensauffassung widersprechen. Hat er das extra so gemacht? Um mich zu ärgern?
Vermutlich nicht, um mich zu ärgern, aber vielleicht trotzdem extra. Extra, um mich wach zu halten? Extra, um mir zu helfen, meine zementierten Meinungen zu überdenken? Extra, damit ich nicht hochmütig werde?

Extra, damit ich auch immer wieder darauf angewiesen bin, mit anderen zusammen zu überlegen, wie all das zusammen passen könnte? Ich weiß es nicht.
Aber ich will mich über die Widersprüche nicht ärgern - sie nicht weg argumentieren. Ich will offen sein für neue Argumente, für neue Sichtweisen zu Themen, die ich vielleicht längst ad acta gelegt habe. Ich will mich daran freuen, dass Gott von mir nicht die fertiggedachten Aussagen fordert, sondern mit mir unterwegs
ist, um immer wieder Neues zu entdecken.
Ich will immer wieder neu Themen andenken, ansprechen,
andiskutieren, anstoßen, …
… ohne den Anspruch zu haben meine Ansicht müsste perfekt und endgültig sein. Und ich will weiterhin offen bleiben und
gespannt sein, was dann dabei raus kommt.

Anja Roller

 

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